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Station 7: Bergbau und Mineralien

Übersichtskarten

Bergbaugeschichte

Ein Bergbau auf Kupfer im Mortelgrund bei Sayda wird erstmalig im Jahre 1400 genannt, aber vermutlich wurde schon seit 1200 nach Erzen gesucht. 1512 wurde die „Eschigt Fundgrube“ an den Bergbauunternehmer Jacob Gerstenberger verliehen (erstmalige urkundliche Erwähnung). 1518 wurde die Kupfergrube „Sankt Anna zum neuen Glück“ an die Augsburger Handelsherren aus dem Patriziergeschlecht der WELSER verliehen. Dieser Zeitpunkt dokumentiert einen ersten Aufschwung des Bergbaus. Der Königlich Sächsische Berghauptmann FREIESLEBEN nennt für die erste Bergbauperiode eine Abbauteufe von „13 Pumpensätzen“ (ca. 100 bis 130m). Das Wasser wurde dabei anfänglich mit einer „Heinzenkunst“, ab ca. 1614 mit einem "Radkunstgezeug“ gehoben.

Oberhalb der Mortelmühle wurde eine Kupferhütte, die „Alte Hütte“ erbaut. In dieser Hütte wurde Schwarzkupfer geschmolzen, welches dann zur Weiterverarbeitung nach Chemnitz und später in die Grünthaler Saigerhütte (an der Flöha bei Olbernhau), an der Barthel WELSER auch finanziell beteiligt war, gebracht wurde. In den Saigerhütten wurde aus dem Schwarzkupfer auch Silber ausgeschieden. Die Augsburger Großhandelsfamilie Welser versucht zu dieser Zeit das Monopol über den Kupfererzhandel in Mitteleuropa in ihre Hand zu bekommen. Im 1630 kam der Bergbau um Sayda wie im übrigen Erzgebirge aufgrund der Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges für lange Zeit völlig zum Erliegen. Erst 1697 erfolgte ein neuer Aufschwung.

Ein Auszug aus den Lehnbüchern des Freiberger Oberbergamtes zeigt folgende Gruben im Saydaer Revier mit der Jahreszahl ihrer Aufnahme:

  • Alt Väter Erbstolln 1739
  • Eschicht Fundgrube 1697
  • Gnade Gottes Erbstolln 1711
  • Hoffnung Gottes Fundgrube 1738
  • Johannes Erbstolln 1732.

Nur wenig später (im Jahre 1771) erfolgte die Konsolidierung des Altväter Erbstolln mit der Grube Eschig zur „Altväter Erbstolln samt Eschig Fundgrube“, welche für ca. 100 Jahre auf dem Eschig Spat (Eisenspat) abbaute. Dieser, auch als „Brauner Kupfergang“ bekannte Hauptgang des Reviers, war zum Ende der zweiten Bergbauperiode über eine Länge von ca. 1,2 km mit zwei Stolln (Eschig und Altväterstolln) aufgeschlossen. Zu dieser Zeit existiert nur noch ein sehr kleiner kommunaler Grubenbetrieb mit 1 bis 8 Bergleuten, welcher nur mit Mühe und Not aufrechterhalten werden kann. Der Wassergang in den Gruben war stark und die Technik alt und schlecht.

1827 bis 1832 wurde die „Mortelbacher Rösche“ gebaut. Mit 3054m ist sie die längste Rösche im System der Revierwasserlaufanstalt.

Die Hoffnung der Stadt Sayda, endlich wieder ergiebige Lagerstätten zu finden, erfüllt sich leider nicht. 1836, am 13. April wurde der Bergbau um Sayda offiziell mit der Lossagung sämtlicher Belehnungen durch den Schichtmeister Friedrich Franke beendet. Damit fiel die Grube ins „Bergfreie“, das heißt die Grube wurde wegen Erschöpfung der Erzvorräte aufgegeben.

Nach FREIESLEBEN müssen mit Beginn der zweiten Blütezeit des Saydaer Bergbaues im Zentner Liefererz für die Saigerhütte (vermutlich Schwarzkupfer“) etwa 6 bis 16 Loth (entspricht etwa 0,2 bis 0,5 %) Silber und 30 bis 82 Pfund Kupfer enthalten gewesen sein. Diese Gehalte verschlechterten sich zum Ende des Bergbaues immer mehr und waren letztendlich auch der Hauptgrund für dessen Eingehen. Anfang des 19. Jahrhunderts sollen die Liefererze nur noch 0,5 bis 5 Loth (im Mittel 1 Loth) Silber und 3 bis 27 Pfund (im Mittel 10 Pfund) Kupfer enthalten haben. Überhaupt soll der in dem langen Zeitraume von 1607 bis 1821 geführte Grubenbetrieb bei Eschig samt Altvater der darauf gesetzten Hoffnung durchaus nicht entsprochen, indem in dieser Periode nicht mehr Erz als für 1822 Thaler Conventionsgeld = 5617 Mark 76 Pf. deutscher Reichsmünze geliefert wurde.

Heute künden nur noch spärliche Reste vom einstigen Bergbau. Die Gebäude auf der westlichen Talseite neben den Fischteichen können in ihrem Ursprung auf die Eschig Fundgrube zurückgeführt werden. Auf beiden Seiten des Tales markieren relativ kleine Halden und Pingen den Verlauf des Eschig Spates bzw. des Altväter Morgenganges. Dabei sind auf der östlichen Talseite die Halde des so genannten Tagesschachtes (in dessen Pinge noch der Schachtquerschnitt erkennbar ist) und auf der westlichen Talseite eine allerdings völlig bewachsene, relativ hohe Halde auf dem Eschig Spat sowie ein Tagebruch aus jüngerer Zeit direkt am Weg oberhalb der Fischteiche noch deutlich identifizierbar (Tafel 7). Die weiteren Schächte und Stollen sind nicht mehr auffindbar, der alte Eschig Kunstschacht ist von den Fischteichen überflutet, das Mundloch des Altväter Stollns vom Straßenbau verschüttet, oder aber wie Johannes und Michaelis Stolln nur noch im Geländerelief zu erahnen.

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Wasserhebung

Der größte Feind des Bergbaus war das Wasser. Je tiefer der Bergmann die Schächte trieb, desto mehr Wasser floss zu. Um das Wasser zu heben ersannen die Bergleute ausgefeilte Techniken.

Heinzenkunst

Heinzenkunst: A-Rad, B-Welle, C- Zapfen, D-Ringlager, E-Kettenkorb, F-eiserne

Eine Heinzenkunst, ist eine Wasserhebungsmaschine zum Heben des Wassers mittels in Holzröhren bewegten Lederbälgen. Die mit Stroh oder Reisig gefüllten Lederbälge (Bälle, Taschen, Püschel) wurden an eine endlose Kette durch eine senkrecht im Wasser stehenden Holzröhre gezogen, wodurch Wasser von einem tieferen auf ein höheres Niveau gepumpt wurde. Mit einer Heinzenkunst konnte das Wasser ca. 80 m gehoben werden.

Bild:
Heinzenkunst: A-Rad, B-Welle, C- Zapfen, D-Ringlager, E-Kettenkorb, F-eiserne
Klammern, G-Kette, H-Schachthölzer, I-Bälle, K-Rohre, L-Aufschlaggerinne

Radkunstgezeuge

Beim Radkunstgezeug wurden eiserne Kolbenpumpen durch ein Wasserrad angetrieben. Dazu wurde mittels Gestänge die Dreh- in eine Längsbewegung
umgesetzt. Die tiefste Pumpe hob das Wasser bis in einen Wasserkasten. Aus diesem saugte die nächste Pumpe das Wasser an und hob es in den darüber eingebauten Wasserkasten und so weiter, bis das Wasser auf Röschenniveau gelangte, wo es mit dem Aufschlagwasser aus dem Berg floss. Ein Pumpensatz schaffte so 7 bis 10 m Höhe.

Bild: Radkunstgezeug mit zwei
Pumpensätzen

A-Schacht, B-unterste Pumpensatz, C-erster Wasserkasten, D-zweiter Pumpensatz, E-zweiter Wasserkasten, F-dritter Pumpensatz, G-Gerinne, H-verlängerte Radwelle, I-erstes breite Gestänge, K-zweites breite Gestänge, L-drittes breite Gestänge, M-erste Kolbenstange, N-zweite Kolbenstange, O-dritte Kolbenstange, P-Drehpunkte, Q-Scheren

Energie zum Antrieb der Kunstgezeuge

Der Antrieb von Heinzenkunst und Radkunstgezeug erfolgte mittels Pferdegöpel oder Wasserräder. Das Antriebswasser (Aufschlagwasser) für die Kunsträder kam von speziell angelegten Kunstteichen, in welchen man das Oberflächenwasser sammelte. Das Wasser wurde über Kunstgräben und Röschen (in den Berg gehauenen Stolln) in den Berg geleitet, trieb dort die Wasserräder an und wurde über Wasserlösungsstollen wieder abgeleitet.

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Kupferbergbau im Mortelgrund

Im Mortelgrund wurde vor allem kupfer- und silberhaltiges Erz abgebaut. Anfang des 16. Jahrhunderts erlebte der Bergbau hier seinen Höhepunkt.

Aufbereitung

Bevor eine Verhüttung der Erze erfolgen konnte musste das Erz sortiert und zerkleinert werden. Sortiert (geklaubt) wurde es meist per Hand an der Scheidebank. Diese Arbeit wurde von Scheidejungen im Alter von 8 bis 16 Jahren und invaliden Bergleuten durchgeführt. Zerkleinert wurde das erzhaltige Gestein in Pochwerken, welche mit Wasserkraft angetrieben wurden. Es musste so klein zertrümmert werden, dass das taube Gestein und das Erz im folgenden Waschgang getrennt werden konnte. Beim Waschen trennte sich das schwerere Erz vom tauben Gestein, welches schneller mit dem Wasser abgetrieben wurde. Das schwere Kupfererz blieb in den Trögen liegen.

Verhüttung

Nach der Aufbereitung wurde das Erz geröstet. Dabei wurden die sulfidischen Kupfererze (z.B. Kupferkies oder Kupferglanz) über einem Holzfeuer erhitzt, so dass man Kupferoxid erhielt.
Der Schwefel gelangte als Schwefeldioxidgas in die Luft:

2 Cu2S+3 O2 -----> 2 Cu2O+2 SO2

Die Reduktion des Kupferoxids zu reinem Kupfer erfolgte in einem Schacht-Ofen, in den mit Hilfe von Blasebälgen Luftsauerstoff zugeführt werden konnte. Als Reduktionsmittel wurde Holzkohle verwendet. Das Produkt des ersten Schmelzvorgangs hatte nur einen Kupfergehalt von 30-50%. Dabei wurde durch wiederholte Röst- und Schmelzgänge aus dem Kupfererz Schwarzkupfer erzeugt, welches ca. 80% Rohkupfer enthielt. Auf sogenannten Garherden wurde das Kupfer weiter ausgeschmolzen und somit auf ca. 98%-iges Garkupfer angereichert.

Saigerverfahren

Ab Mitte des 15. Jh. wendete man das Saigerverfahren an, bei welchem man geringe Silbergehalte aus dem Kupfer gewinnen konnte. Bei diesem Verfahren wird im Schmelzvorgang das silberhaltige Kupfer mit Blei versetzt. Dabei trennt sich das Silber vom Kupfer, verbindet sich mit dem Blei und tritt an die Oberfläche. Es „saigert“ vom übrigen Schmelzgut ab. Um das Blei vom Silber zu trennen, lässt man das „Konglomerat“ selektiv oxidieren und schöpft danach das Blei solange ab, bis das leicht bleihaltige so genannte Blicksilber übrig bleibt, welches anschließend feingebrannt wird.

Das gewonnene Kupfererz wurde im 16. Jahrhundert in einer eigenen Kupferhütte im Mortelgrund verhüttet, das erschmolzene Schwarzkupfer dann anfänglich nach Chemnitz, seit 1537 nach Grünthal bei Olbernhau in die dortige Saigerhütte geliefert, die infolge des Eingehens der Saigerhütte in Chemnitz im Jahre 1553 dann die einzige in ganz Sachsen war. Hier wurde das Schwarzkupfer aus den einzelnen sächsischen Revieren (seit 1638 vor allem aber aus dem Kupferschieferbergbau bei Sangerhausen) auf Silber und Garkupfer weiterverarbeitet.

In der Zeitvon 1568 bis 1648 wurden in der Grünthaler Saigerhütte aus dem
Schwarzkupfer, welches im Durchschnitt 0,53% Silber enthielt, 39 t Silber (für
1.555.283 Gulden) ausgeschmolzen, was etwa 6% der damaligen deutschen
Silbererzeugung entsprach. Im gleichen Zeitraum produzierte die Hütte rund 5.000 t Kupfer im Wert von 1.265.274 Gulden. Das Kupfer aus Grünthal (und damit auch Mortelgrunder Kupfererz) wurde nach u. a. für die Dächer des Stadtschlosses und der katholischen Hofkirche in Dresden, des Charlottenburger Schlosses und der Hedwigskathedrale in Berlin, der Dome in Magdeburg, Naumburg, Ulm und Wien sowie der Kathedrale von Sofia verwendet.

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Minerale des Mortelgrundes

Geologische und lagerstättenkundliche Stellung

Die anstehenden Gesteine hier im Mortelgrund sind Rot- und Graugneise, Glimmerfelse und Amphibolite. Hauptsächlich in den Graugneisen (Zweiglimmergneise) kommen mehrere kiesigblendige Erzgänge (kb) und edle Braunspatgänge (eb) vor, welche die Gründe des Abbaus waren. Das hauptsächliche Kupfererz war der Kupferkies (Chalkopyrit). Die Gang füllung bestand im erzführenden Teil hauptsächlich aus Quarz, in welchem die primären Kupfererze eingesprengt waren. Der königlich sächsische Berghauptmann FREIESLEBEN beschrieb die Mineralisation: „Die Hauptmasse ist Quarz, der ... oft mit Rotheisenstein und Rotheisenocker gemengt oder verwachsen ist. In diesem Quarze liegen nesterweise Malachit, Kupfergrün, Bunt Kupfererz, Kupferglas, Kupferkies und Kupferschwär ze; seltner eisenschüssiges Kupfergrün, Kupferpecherz, Ziegelerz, Kupferblende, Fahlerz und Kupferglimmer, noch seltener Stroherz und Würfelerz. ... Nebenbei fanden sich Bleiglanz und Schwarze Blende (Zinkblende) nur in einzelnen Spuren ein. Dagegen waren häufigere Begleiter Steinmark, etwas Flussspath, seltener rother Jaspis und Schaaliger Schwerspat.“

Der bergmännisch und mineralogisch interessanteste Gang war dabei der Eschig Spat. Die Fortsetzung des Eschig Spat im östlichen Teil des Grubenfeldes bilden der Scheider Spat und der Michaelis Spat. Im Hangenden des Eschig Spates, im Mittel nur 20 m südlich, liegt der über ca. 420 m aufgeschlossene Altväter Morgengang oder Schönberger Spat, der sich ebenfalls im östlichen Teil des Grubenfeldes in die Spatgänge Solomon und Johannes aufspaltet.

Die Gangmächtigkeiten waren außerordentlich schwankend. Danach soll der Eschig Spat abwechselnd zwischen 7 und 100 cm, in seinem erzführenden Teil durchschnittlich 40 cm Mächtigkeit gezeigt haben. Infolge von Ruschelbildungen bestehen die Gänge über relativ große Distanzen nur aus „eisenschüssigem und lettigem Ausschram“ (tonhaltiges Nebengestein) und weisen hier auch nur Mächtigkeiten zwischen 10 und 12 cm auf.

Die Minerale

Die eigentlichen Kupfererze als auch die meisten anderen Sulfide können auf den alten Halden kaum noch gefunden werden. Sie haben sich durch Verwitterung in sekundäre Kupferminerale umgewandelt, welche meist durch grüne Farben gut sichtbar sind.

Quarz - SiO2

Quarz stellte das Hauptmineral der Gänge dar. Er ist meist zerklüftet, stellenweise drusisch (Hohlräume) ausgebildet und oft durch Hämatit rot gefärbt. Die primären Kupfer erze lagen teils nesterartig, teils als feine Einsprenglinge im Quarz. Auch die sekundären Kupferminerale, die noch auf den Halden gefunden wer den, sitzen meist nur als Anflug auf Quarz. Er ist fast immer als trüber Gan gquarz oder Milchquarz ausgebildet, nur selten sind die Kristalle in ihren Spitzen bergkristallartig klar.

 

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